Bachmannpreis mit Teppich im Hintergrund

Die Lesungen zum Bachmannpreis haben begonnen und lassen sich live im Internet verfolgen. Also fast live verfolgen, denn der Server scheint überlastet und liefert nur bruchstückhafte Tonfetzen, ein gefühltes Bild pro Minute und somit eine ganz neue, hochinteressante Art, Literatur im Fernsehen zu präsentieren – preisverdächtig.

Da bleibt genug Zeit für eine Interpretation des Bühnenbilds: Ein riesiger Teppich hängt hinter der Jury und den lesenden AutorInnen an der Wand. Ähnlich meinem alten Läufer, den ich neulich in den Müll geworfen habe. Stellt der Teppich auf der Bühne des Bachmannwettbewerbs einen Bezug zum alten Österreich her? Verweist er auf die berühmte Klagenfurter Teppichwebkunst? Oder soll er Ruhe ausstrahlen und den sichtbar nervösen Kandidaten Sicherheit vermitteln?

Wenngleich die Live-Übertragung nicht richtig funktioniert, machen die in einer Art Live-Ticker aktualisierten Kommentare der Jury aber auch Spaß (ab und zu im Browser auf >Seite neu laden< klicken): “Ein Problem des Textes sei seine Explikativität” sagte z.B. Jurymitglied Ilma Rakusa über den Text von Christian Bernhard, während Karl Corino den Verdacht hat, die “Gefühlsimpotenz der Figuren gehe mit einer stilistischen Impotenz des Autors einher.” Bis der Live-Ticker die Kommentare zu Jochen Schmidt anzeigt, der gerade gelesen hat, bleibt genug Zeit, mal das Wort Explikativität nachzuschlagen. Und im nächsten Jahr sollte man einem der Jury-Mitglieder einen Preis für die am schönsten verschwurbelste Textkritik verleihen.

Man merkt: Dem Web-2.0-geplagten Tempomenschen macht diese Alt-Österreich-Veranstaltung richtig Freude. Eine ausführliche Kritik des Bühnenbilds und weitere Live-Kommentare zur Veranstaltung gibt es übrigens hier.

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